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B. Marowski: „ ... Das Beschädigte fasziniert mich. Es existiert neben der heute so geschätzten Perfektion, der Sterilität der Sauberkeit, dem Glanz und dem alle Bereiche beherrschenden Design in unserer Konsumwelt auch das Morbide, sich auflösende, Zerfallende – und zwar übertragbar auf alle Lebensbereiche. Die Menschen leben mittendrin, sie blicken weg, sie verdrängen es, Zerfallsprozesse werden als negativ empfunden. Dabei gibt es auch eine Ästhetik des Zerfalls, die in manchen alten Kulturen, z.B. im Japan des 16. Jhdts (Wabi Sabi) eine philosophische Denkrichtung begründete. Ich versuche, in meinen Bildern die Zeichen des materiellen Zerfalls fotografisch zu dokumentieren und in eine künstlerische Ebene zu heben und für den Betrachter positiv erlebbar zu machen...”
Burkhard Marowski, im Interview Teltowkanal TV

„ ... Ein Caspar David Friedrich aus Korrosionen. Durch die Bearbeitung am Computer erreicht Burkhard Marowski eine Verstärkung dessen, was er ursprünglich gesehen hat: einen Meeresstrand, eine Nase, Gesichter. Manchmal sind es auch ganze Szenen: Waldstimmung, Apokalypse oder Walpurgisnacht. Allerdings sind dies nicht die Namen seiner Bilder, Er nennt sie Schrammspuren 15, Asphalt 32, Korrosionen12/19 oder Teerspuren 21. Dies lässt dem Betrachter die Freiheit, selbst zu assoziieren. Dieses Geheimnis sei es schließlich, was die Bilder so faszinierend mache, sagte Kulturstaatssekretär a.D. Dr. Winfried Sühlo in seinen Worten zur Ausstellungseröffnung. Dieses Geheimnis sei es auch, was die Bilder zur Kunst mache ...”
Dörthe Adler / Märkische Allgemeine Zeitung

„ ... Vor Marowski ist kein Rost wirklich sicher. Wenn Bilder den Künstler finden: da wird eine zarte Frauengestalt im gemeinen Vogelschiss bildhaft, Korrosionen in einer Pferdetränke scheinen eine Landschaft mit Meeresstrand zu zeigen. Erinnerungen an Werke von Max Ernst, William Turner und Caspar David Friedrich nimmt Marowski als Kompliment auf. Und damit geht ein weiterer Moment der Verblüffung einher. Denn was Marowski hier präsentiert, scheint mit Fotografie nichts mehr zu tun zu haben ...
Fazit: Phantasievoll, amüsant, ästhetisch, manchmal von äußerst morbider Wirkung und ungemein anregend ... ”

Yvonne Hofer, Düsseldorfer Anzeiger

„ ... Unter anderem sind dort 51 Werke des Künstlers Burkhard Marowski zu sehen. Seine Werke nennt er Mediagrafien, da sie Malerei, Fotografie, Computerbearbeitung und Druck, also verschiedene Medien, vereinen ...

Marowskis Werke wirken auf den ersten Blick abstrakt, wenige Farben bilden eine – meist düstere – Einheit. Die Bildtitel sind neutral, sollen dem Betrachter nichts vorschreiben, so z.B. Scratching 3, Zinkografie 7, Gebrauchsspuren 1. Dennoch wird der Betrachter an Landschaften oder Menschen erinnert und erhält so Ansatzpunkte zum Nachdenken ...”
Svenja Scherer, Westdeutsche Zeitung



„ ... Wenn man ein Bild malen will, solle man alte Mauern und Wolken anschauen, um die Phantasie anzuregen – das schrieb Leonardo da Vinci. Etwa 500 Jahre später nimmt Burkhard Marowski seine Digitalkamera zur Hand, den technischen Bilderzeuger unserer Zeit, um „Bilder, die mich finden” – wie er sagt – aus ihrem Umfeld zu lösen. Es sind anonyme Bilder, nicht mit Absicht gemalte, die er auf Mauern, Straßen, Dächern und Objekten findet. Er nimmt sie als digitale Information mit nach Hause, festgehalten oft in extrem gewählten Ausschnitten ...

Doch was macht die Wirkung dieser Bilder aus? Drei Elemente unterscheidet der Künstler Marcel Duchamp: Als erstes das Kunstwerk selbst, die „Materia Prima”, den Urstoff, der einmal da ist. Und dann zwei völlig voneinander unabhängige Bereiche, den Bereich der Intentionen des Künstlers, die zur Schaffung des Werkes geführt haben und den Bereich der Gedanken und Assoziationen, die der Betrachter gleichsam aus dem Werk herausnimmt.

Ganz bewusst trennt auch Burkhard Marowski diese Bereiche. Natürlich hat der „Bildfinder” Marowski seine eigenen Gedanken und Assoziationen ... aber er teilt sie uns nicht mit. Die Bildtitel sind neutral, um die Bildinterpretation des Betrachters nicht in eine bestimmte Richtung zu lenken ... Ein Querformat mit waagerechter Teilung, ungefähr in der Mitte, wird als Landschaft mit Horizont gesehen, senkrechte Strukturen als Körper. Es scheint Archetypen der Wahrnehmung zu geben. Man assoziiert Höhlenzeichnungen, aber auch oft Werke der Kunstgeschichte (z.B. von Breughel, Rembrand, C.D.Friedrich, Turner, Monet, Klee, Picasso, Emil Schuhmacher) ...

Marowski findet dies alles im Dreck, im Weggeworfenen, im Banalen, er ist fasziniert vom Morbiden, vom Verrotteten, vom Verfall. Der Abfall, das Abfällige, dem andere Menschen keine Beachtung schenken, ist sein Thema. In Anlehnung zum Terminus „Objet trouvé” spricht Marowski von der „peinture trouveé”, der gefundenen Malerei ...”
Johannes Lenhart, Bildhauer, Auszüge seiner Einführung zu einer Ausstellung der Bilder Marowskis, Galerie Sichtwerk Ratingen

„ ... Wie aus Rost ein Horizont entsteht ... Die wundersame Symbiose von digitaler Fotografiertechnik und den Abbildern malerischen Zerfalls ist dem gebürtigen Berliner Burkhard Marowski geglückt. Mehrere Dutzend seiner morbiden Momentaufnahmen stellt er derzeit bei Luda Liebe aus. Was sonst kaum jemand auch nur eines Blickes würdigt, macht Marowski zum Motiv. Sein Credo: Patina muss sein.

Viele Fotografen erklärten Ihr Medium nach der Digitalisierung für tot. Marowski schaffte die Auferstehung als digitaler Romancier des Morbiden ... Doch die entweder seltsamen oder doch sehr alltäglichen Orte, wo er Fotografierwürdiges findet, zeugen zugleich von der nahezu besessenen Suche dieses Urhebers. So macht sich Marowski zum visuellen Sprachrohr von Reifenspuren, die an heißen Sommertagen im Straßenteer zurückbleiben; er zeigt die millionenfachen Griffspuren einer Türklinke unter der makrooptischen Lupe; er beleuchtet, wie Pferdeschnauzen im Lauf der Zeit eine auf der Koppel als Tränke aufgestellte Badewanne verschrammten, wie Farbe von Fahrbahnmarkierungen verwittert, wie ästhetisch Container rosten oder die Altersschönheit von gealtertem Putz einer betagten Hauswand ... "
Bernd Theisen, Rheinische Post Düsseldorf, Galerie Luda Liebe, Monheim